Ein Ast und zwei Glasfächer

Von dem Mulga zum Regal

„Oh wow, da eine klein Scheibe abschneiden, das ist ein super Holzstück für mein Projekt“ sagte ich mir als ich den Ast aufsammelte und Richtung Feuerstelle zog. Neben dem Auto machte ich halt, suchte meine Säge unter all dem anderen Zeug, das ich noch dabei hatte, fand sie auch bald und fing gleich an zu sägen.

„Hier säge ich eine kleine Scheibe ab, das reicht schon,“ grübelte ich still vor mich hin. Doch ganz so einfach sollte das wohl nicht sein.

„Das ist ja verdammt hartes Holz. Was ist denn da drin, Eisen?“ fragte ich mich während ich mich und meine Säge quählte bis endlich die kleine Scheibe von dem Ast abgeschnitten war. Die Säge war jetzt auch am Ende, Stumpf wäre zu milde ausgedrückt.

„Puh, geschafft, na vielen Dank erst mal, wenigstens brennt der Rest dann auch gut,“vermutete ich, verstaute das kleine Holzstück und die stumpfe Säge wieder im Auto und ging die letzten Meter vom Auto zur Feuerstelle.

Mittlerweile war das Feuer kleiner geworden; der Ast sollte für den Rest des Tages und abends ausreichen. Vielleicht habe ich sogar morgen früh noch was übrig für heisses Wasser, um Kaffee zu kochen, dachte ich. Doch es kam anders.

Befor Sunset, Simpson Desert, Australien

Befor Sunset, Simpson Desert, Australien

 

Mit der Schnittstelle voraus fing ich an den Ast ins Feuer zu legen und genoss die Stille der Wüste. Nur das leise Flackern des Feuers und gelegentliches Knacken des brennenden Holzes waren zu hören. Je näher die Nacht kam, um so freudiger tanzten die Schatten um das letzte Licht meines Feuers. Nun sah ich den Ast buchstäblich in einem anderen Licht und ich war mehr als verblüfft als mich aus der Verwachsung des Astes ein Tiergesicht anschaute.

 

 

 

Tierkopf-Holz

Mulga Tree, Burl (Verwachsung)

 

„Na was ist denn das,“ dachte ich und zog den Ast wieder aus dem Feuer. Im Feuerschein betrachtete ich das “ Burl“ (The Burltree, Schwarz-Weiße Reise, in den Zeichnungen) und das Gesicht sah tatsächlich, ohne viel Phantasie, wie ein Tiergesicht aus. Das Ende, das nun schon länger im Feuer lag, glimmte und qualmte ein wenig vor sich hin aber richtig brennen wollte es nicht. „Ok, genug,“sagte ich mir, das will ich bei Tageslicht noch mal sehen und steckte das glimmende Ende in den Sand.

Reise im Outback, Australia

Reise im Outback, Australia

 

Am nächsten Morgen war der Ast noch so wie ich ihn in den Sand gesteckt hatte und das Gesicht war nun deutlich sichtbar.  „Unglaublich“ dachte ich, „daraus muss ich was machen!“, „ ich kann es nicht mehr verbrennen aber auch nicht zurücklassen!“. Wie an den Tagen zuvor, baute ich das Zelt ab, räumte meine Sachen zusammen, verstaute alles im Auto und suchte dann einen Platz für meinen Ast damit er den Rest der Reise gut überstehen kann.

 

So etwas, selbst als vermeindliches totes Holz, soll noch lange in der Zeitgeschichte weiterleben.    

Skulptur: "Desert Dweller"

Skulptur: „Desert Dweller“

Die runden Glasfächer machen über die dekorative Schönheit hinaus die Skulptur auch nutzbar.

 

Der Baum von dem der Ast stammte, ist ein MULGA, eine endemische Akazien-Art die einen großen Teil des australischen Outbacks dominiert.

Mulga wächst bei günstigen Bedingungen ca 1 Meter in 10 Jahren. Bei wenig Regen oder gar Trockenheit, was im Simpson Desert eher die Regel ist, verlangsamt sich das  Wachstum noch weiter, so dass ein ausgewachsener Baum mit ca 10 m und einem Durchmesser von ca 25 cm durchaus erstaunliche 150 – 250 Jahrringe hat.

Die Aborigines (Ureinwohner Australiens) wissen die Pflanze vielfach zu nutzen: die gemahlenen Samen können zu Brot verbacken werden, das süße Stammharz und die Insekten-Gallen (von Insekten angebrachte Gallen, Fortpflanzung,) werden ebenfalls gegessen. Das harte Holz wird zu Bumerang, Speerschleudern und Kampfschilden verarbeitet.

Ein toter Mulga tree, Ein Vogel

Ein toter Mulga tree, Ein Vogel

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